Jedes 10. Schulkind übergewichtig

Tipp der Redaktion Aktionsplan und Initiativen auf Bundesebene

17.06.2008 Melanie Kirk-Mechtel

Neben der Verantwortung der Eltern sind auch Kräfte aus allen gesellschaftlichen Bereichen gefragt, um Übergewicht bei Kindern zu bekämpfen.

Die Zahlen gingen durch die Presse: Zum Zeitpunkt der Einschulung ist in Deutschland etwa jedes zehnte Kind übergewichtig, jedes zwanzigste sogar fettleibig (adipös) – Tendenz zunehmend. Dass aus diesen Kindern mit größter Wahrscheinlichkeit auch dicke Erwachsene werden, ist durch zahlreiche Studien belegt worden. Und das mit weit reichenden Folgen für die Gesundheit: Bluthochdruck, Erkrankungen des Bewegungsapparates und Diabetes treten immer häufiger nicht erst im Erwachsenenalter, sondern schon bei Kindern auf. Um diese Entwicklung zu stoppen, sollte eine sinnvolle Gesundheitserziehung schon im Kleinkindalter ansetzen. Denn ihr Ernährungsverhalten lernen Kinder durch Nachahmung und Gewohnheiten. Beides übernehmen sie zum großen Teil von den Eltern. Hier gilt es, schon früh die richtigen Signale zu setzen.

Veränderter Lebensstil schuld an Übergewicht

Vor allem der veränderte Lebensstil von Familien wird für den dramatischen Anstieg von Übergewicht bei Kindern verantwortlich gemacht. Oft sind beide Elternteile der modernen Kernfamilie berufstätig, viele Eltern sind Alleinerziehende. Da bleibt oft keine Zeit zum Kochen oder für gemeinsame Mahlzeiten am Familientisch. Dabei wäre gerade das ein Ausweg aus dem Dilemma. Denn wie eine von der Plattform Ernährung und Bewegung e.V. (peb) in Auftrag gegebene Umfrage ergab, bewegen sich Kinder aus Haushalten, die sich Zeit für gemeinsame Mahlzeiten nehmen auch deutlich mehr.

Wie die Studie zeigte, bewegt sich jedes dritte Kind in Deutschland am Tag weniger als eine Stunde intensiv. Von diesen „Bewegungsmuffeln“ lebt nur ein Drittel (36 Prozent) in Haushalten, die für gemeinsame Mahlzeiten mehr als 30 Minuten Zeit investieren. 43 Prozent der deutschen Kinder sind zwischen ein und zwei Stunden pro Tag sportlich aktiv. Knapp die Hälfte (45 Prozent) der Kinder davon kommt in den Genuss gemeinsamer Mahlzeiten, die länger als 30 Minuten dauern. Täglich mehr als zwei Stunden verbringt nur jedes vierte Kind (23 Prozent) in Deutschland mit Sport oder bewegungsintensivem Spiel. Und genau diese Gruppe ist es, bei der fast zwei Drittel (59 Prozent) an längeren gemeinsamen Mahlzeiten mit Erwachsenen teilnehmen.

Richtig selten geworden ist in den Familien die gemeinsame Bewegung von Eltern und Kindern: Lediglich in 20 Prozent der deutschen Haushalte unternehmen Erwachsene und Kinder jeden Tag etwas gemeinsam an der frischen Luft. Wie die Umfrage zeigt, besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem Ernährungs- und Bewegungsverhalten. Und daher setzen viele Projekte und Aktionen zur Vorbeugung und Bekämpfung von Übergewicht an diesem Punkt an.

Gesamtgesellschaftliches Handeln ist gefragt

Auch wenn die Gesundheitserziehung in erster Linie in der Hand der Eltern liegt, stehen nicht nur die Familien in der Pflicht, den Kindern den Weg in ein gesundes und aktives Leben zu ebnen. Vielmehr sind Kräfte aus allen gesellschaftlichen Bereichen gefragt, um Übergewicht den Kampf anzusagen. Die politischen Rahmenbedingungen für ein gesamtgesellschaftliches Handeln setzte die Bundesregierung Anfang 2007 mit ihrem Eckpunktepapier, das Grundlage für einen „nationalen Aktionsplan Ernährung und Bewegung“ sein sollte. In dem Aktionsplan, der sich momentan noch in der Ausarbeitung befindet, werden konkrete Ziele, Handlungsfelder und Maßnahmen festgelegt, um die Ernährungssituation der Deutschen zu verbessern und den Anstieg von Übergewicht zu stoppen. Dabei soll auf bereits bestehende, von der Bundesregierung initiierte Aktionen aufgebaut werden.

Eine dieser Maßnahmen ist die bereits zitierte Plattform für Ernährung und Bewegung e.V. (peb), die 2004 auf Initiative des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMELV) sowie sieben weiteren Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen wurde. Mittlerweile beteiligen sich rund 100 Mitglieder wie wissenschaftliche Institutionen, Interessenvertretungen, gesellschaftliche Initiativen und eine Vielzahl an Unternehmen an der Plattform, die sich als starkes Kompetenznetzwerk aller gesellschaftlichen Kräfte versteht, das die notwendige Überzeugungskraft und Dynamik erzeugen kann, um den Lebensstil dauerhaft zu verändern. Mehr über die weiteren Mitglieder, ihre Aktionen und Informationsmaterial zum Bestellen finden Sie auf den Internetseiten von peb.

Ebenfalls vom BMELV gestartet wurde 2003 die Initiative „Besser essen. Mehr bewegen. KINDERLEICHT“. Im Rahmen der Kampagne werden ausgewählte Maßnahmen gefördert und damit vielseitige Lösungskonzepte für die frühzeitige Vermittlung einer gesunden und ausgewogenen Lebensweise und Esskultur in Schulen, Kitas und Familien angeboten.

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